Dass wir Wasser immer noch als Transportmittel für Fäkalien und Industrieabwässer benützen, um sie nachher aufwändig und unter hohem Energieverbrauch in der Kläranlage wieder herauszuholen, ist doch keine zukunftsfähige Lösung.“
(Klaus Töpfer, April 1998)

Wir drücken die Spültaste und vertrauen auf die zentrale technologische Lösung: Menschliche Ausscheidungen (Fäkalien) werden mit Wasserspülung automatisch aus unserem Erfahrungsbereich entfernt. Diese Schlemmkanalisation bringt jedoch gravierende Probleme mit sich:

  • Fäkalien werden mit gutem Trinkwasser weggespült – eine Verschwendung von Trinkwasser
  • Abwasser aus Haushalten wird mit dem Abwasser von Industrie und Verkehr vermischt, die Schwermetalle und andere Schadstoffe enthalten. Diese können in Kläranlagen nur unvollständig herausgefiltert werden. Die Restverschmutzung belastet unsere Gewässer.
  • Mit Schadstoffen belasteter Klärschlamm kann nicht als landwirtschaftlicher Dünger verwendet werden. Seine Entsorgung (Verbrennung) verschleißt Energie und einen wertvollen Rohstoff.
  • Statt Naturdünger wird der Einsatz von Kunstdünger gefördert, der die natürlichen Kreisläufe einseitig beeinflusst. Seine Herstellung kostet Energie und produziert Schadstoffe.
  • Bau und Unterhalt der Kanalisations- und Kläranlagen verschlingen eine Unmenge von Steuergeldern.

Kompost-Toiletten als Alternative zum WC

  • Kompost- (Humus-) Toiletten ermöglichen Umwandlung und Wiederverwertung von menschlichen Fäkalien. Trinkwasser wird nicht verschwendet und bleibt sauber.
  • Bei richtiger Wartung sind Kompost-Toiletten unproblematisch in der Anwendung und äußerst geruchsarm.
  • Das Endprodukt ist ein hygienisierter, hochwertiger Kompost-Dünger, der in der Landwirtschaft Verwendung findet.
  • Keine oder geringe Transportwege.
  • Energiesparend und kostengünstig, da relativ wenig technischer Aufwand.

Wie funktioniert eine Kompost-Toilette?

Die Ausscheidungen gelangen in den geräumigen Kompostierbehälter unter dem Sitz und Fußboden. Statt mit Wasser zu spülen, wird nach jeder Benutzung ein Messbecher (Glas) voll Strukturmaterial beigegeben, bestehend aus Sägespäne, Urgesteinsmehl, Holzasche. Dieses belüftet, nimmt Feuchtigkeit auf und gleicht das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis im Kompostiermaterial aus. Urin wird verdunstet. Bei korrekter Installation brauchen Humustoiletten keine Wartung. Um eventuelle Krankheitserreger abzutöten, findet eine Nachkompostierung über den Stallmist statt, in den das Kompostmaterial aus der Toilette später eingearbeitet wird.

Die Zersetzung organischer Abfälle durch Mikroorganismen an der Luft und im Boden ist ein Vorgang, der spontan einsetzt. Unterstützende Bedingungen für eine wirkungsvolle, das heißt geruchsarme Kompostierung sind:

  • Der Kompostbehälter ist mit Stroh, Urgesteinsmehl und Sand (zur Geruchsunterbindung) sowie Gartenkompost (als Kompoststarter) ausgelegt.
  • Damit der Inhalt des Behälters gut durchlüftet und nicht zu feucht ist, wird nach jeder Benutzung mit grobem Strukturmaterial (Sägespäne usw) nachgestreut
  • Das Verhältnis von Kohlenstoff und Stickstoff (C/N) muss ausgewogen sein, daher Zugabe von Kohlenstoff (Sägemehl)
  • Über eine Bodenheizung wird die zur Kompostierung benötigte Wärme erzeugt; sie sorgt für die Verdunstung von Urin und überflüssiger Feuchtigkeit.
  • Ist ein Behälter voll, wird das Kompostmaterial in den Misthaufen eingearbeitet und dort zur Hygienisierung (Abtötung von Krankheitserregern) nachkompostiert.

Über die weltweite Bedeutung von Komposttoiletten

Auszüge eines Textes der Bündnisgrünen Politikerin Uschi EID, MdB und ehemalige Parlamentarische Staatsekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Uschi Eid ist kommissarische Vorsitzende („acting chair“) von UNSGAB, (United Nations Secretary General’s Advisory Board on Water and Sanitation)

Derzeit sterben auf der Erde mehr Menschen an wasserbedingten Krankheiten als in Kriegen. Das ist eine menschliche Tragödie – und ein enormes Entwicklungshindernis in vielen Ländern der Dritten Welt. Rund 5000 Kinder sterben täglich an den Folgen schmutzigen Wassers. 2,6 Milliarden Menschen besitzen keinen Zugang zu sanitärer Grundversorgung. Das sind mehr als doppelt so viele wie die 1,1 Milliarden, die ohne sauberes Trinkwasser auskommen müssen. Es geht um eine Katastrophe, die sich fernab der Medienöffentlichkeit abspielt. Mangels adäquater sanitärer Einrichtungen und Entsorgung bleibt Abwasser vielfach in der unmittelbaren Wohnumgebung. Die weltweite Sanitärkrise hat eine enorme Tragweite. Als „schmutziges“ Pendant des „sauberen“ Versorgungsthemas genießt sie jedoch wenig Aufmerksamkeit. Wer auf ihre Bedeutung aufmerksam macht, wird schnell bespöttelt, „mit Klos die Welt retten“ zu wollen. Dabei sind Ver- und Entsorgung untrennbar miteinander verbunden. Ohne zuverlässige Abwasserbeseitigung gibt es keine zuverlässige Trinkwasserversorgung. Wie Kevin Watkins, der Hauptautor des vom UNDP veröffentlichten Human Development Reports erläutert, ist „kein Zugang zu sanitärer Grundversorgung“ lediglich eine vornehme Formulierung dafür, dass viele Menschen ihr Wasser für den täglichen Bedarf aus Quellen beziehen, die mit Fäkalien von Menschen und Tieren verunreinigt sind.

Es müssen zur Lösung der weltweiten Sanitärkrise vor allem jene Tabus gebrochen werden, die der aktiven politischen Problembehandlung im Weg stehen. Dass „Unreines“ nicht öffentlich diskutiert wird, ist nämlich irrational, lebensgefährlich und kostspielig. Ähnlich wie bis vor kurzem noch HIV/ Aids ist sanitäre Grundversorgung etwas, über das Politiker sich nur ungern öffentlich äußern. Für Wahlkampffotos ist die Einweihung eines Brunnens allemal attraktiver als die Eröffnung einer Latrine.

Wertvolle Beiträge, damit sich das Bewusstsein wandelt, leistet beispielsweise die Kampagne WASH (Wasser, Sanitärversorgung, Hygiene). Sie klärt unter anderem über den gesundheitlichen Nutzen des Händewaschens nach dem Toilettengang auf. Um für mehr öffentliche und politische Aufmerksamkeit zu sorgen, hat die UN Generalversammlung auf eine UNSGAB-Initiative hin kürzlich 2008 zum „Internationalen Jahr der sanitären Grundversorgung“ ausgerufen.

Die Annahme, Sanitärversorgungssysteme seien für arme Länder unerschwinglich, ist schlicht falsch. Kleine, finanzierbare Anlagen machen es möglich, Fäkalien ökonomisch ohne Gesundheitsrisiken zu nutzen. In der konventionellen Schwemmkanalisation hingegen spülen wir ein ökonomisches Potential die Toilette hinunter, das sich weltweit auf rund 15 Milliarden Dollar beziffern lässt. Die Trennung von Fäkalien erlaubt es zudem, zentrale, kosten- und energieaufwendige Kläranlagen einzusparen, und sie vermeidet gesundheitliche Probleme, unter denen vor allem Slumbewohner zu leiden haben, wenn mit Fäkalien verunreinigte Kloaken Brutstätte für Krankheitserreger werden. Angesichts schrumpfender globaler Süßwasservorkommen ist ein sparsamer Umgang mit Wasser ökologisch wichtig. Die Wiederverwertung geklärter Abwässer in der Landwirtschaft ist obendrein ökonomisch interessant.